12.10.2018 – Tropical Timewarp meets Lichtblick Kino: Grigris‘ Glück (Tschad/ OmeU)

Souleymane (Souleymane Démé) ist ein junger Mann, dem im Leben nichts geschenkt wird. Sein gelähmtes Bein schränkt ihn in seiner Bewegungsfreiheit ein, sein Onkel, der für ihn eine Art Vaterersatz ist, liegt im Krankenhaus, und das Fotogeschäft, das er übernehmen soll, hat keine Zukunft, weil im digitalen Zeitalter ohnehin jeder Fotograf ist. Doch dann gibt es auch Momente, in denen Souleymane seiner wahren Leidenschaft nachgehen kann. Nachts in einem Club verwandelt er sich in den Tänzer Grigris und bringt das Publikum mit seiner Darbietung zum Toben.

Wenn ein Film mit so einer Story beginnt – noch dazu ein afrikanischer, der auf ein internationales Publikum schielt –, ist in der Regel mit dem Schlimmsten zu rechnen. Gehbehinderte Menschen mit Tanzbegeisterung gibt es zweifellos auch im wirklichem Leben. In einem Drehbuch gerät so ein Motiv aber oft zur billigen Wohlfühlbotschaft: Man kann alles im Leben erreichen, wenn man es nur richtig will. Die erste Überraschung an Grigris‘ Glück (Grigris) ist, dass die Tanzszenen ohne emotionale Verstärker auskommen, eher dokumentarisch und distanziert wirken. Es gibt auch keine spektakulären Kunststücke oder Breakdance-Moves, mit denen die Clubgäste begeistert werden, sondern eine Performance, die durchaus eigenwillig ist: mal ein bisschen unbeholfen, mal beeindruckend kreativ und die ganze Zeit vor ungemeiner Energie strotzend.

Die zweite Überraschung ist, dass Grigris dieses Motiv nicht vertieft und seinen Helden beispielsweise nicht versuchen lässt, einen Tanzwettbewerb zu gewinnen. Der Film lässt zwar Raum für das Tanzen, ohne es jedoch  für die Handlung zu instrumentalisieren. Und auch die Behinderung der Hauptfigur wird überraschendweise nie zum Thema. Man sieht es immerhin nicht oft im Kino, dass mit einer Beiläufigkeit wie hier ein Körper inszeniert wird, der nicht der Norm entspricht. Selbst wenn Grigris die im Vintage-Look aufgebrezelte Prostituierte Mimi (Anaïs Monory) kennen und lieben lernt oder sich einem koranfesten Benzinschmugglerring anschließt, um für die Operation seines Onkels aufzukommen, schränkt ihn die Behinderung nicht ein…

Quelle: www.critic.de

Grigris (2013) Original mit englischem Untertitel
Freitag 12.10.2018 – Lichblick Kino Berlin
Kastanienallee 77
20:30 / Eintritt: 9,- Tickets: https://bit.ly/2zSh83Y
Party ab 22:00 / Eintritt frei!

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